Die frühen Mikroprozessoren

Erste Prozessorgenerationen – eine allgemeine Übersicht

Beginnend mit der Entwicklung, die bis in die Siebziger Jahre zurückreicht. Damals wurde der Z80, der RCA-1802, dessen Nachfolger 1806 als auch der 6502-Prozessor eingesetzt. Darauf folgte der Motorola 68000, ein Prozessor mit 16-bit-Adressierung. Sein Nachfolger, der 68020, welcher bereits die 32-bit Technik drin hatte, kam 1984 auf den Markt.

Im Modulset „Dallas 68020“ von Mephisto wurde er erstmalig im Jahr 1986 hardware-basiert für Schachcomputer verwendet. Trotz seiner beachtlichen Leistungsfähigkeit war eine minimalistische, passive Kühlung ausreichend für den Betrieb des Prozessors. 1994 fand man ihn im „Berlin Professional“ mit 24 Mhz Taktung wieder.

Dieser Prozessor wurde sehr vielseitig verwendet. So kam er auch im „MacIntosh II“ von Apple zum Einsatz und, man staunt vielleicht, sogar in der Ausgleichssteuerungseinheit des Eurofighters ist er für wichtige Berechnungen zuständig.

Bereits drei Jahre später, also 1987, war die Weiterentwicklung, der Motorola 68030, inzwischen marktreif geworden. Dieser konnte bis 50 Mhz getaktet werden. Bevorzugt eingesetzt wurde er in Computern von Amiga und Apple. In jener Zeit der ausgehenden Achtziger bis Anfang der Neunziger Jahre.

Im Genius-Modulset der Mephisto-Serie ist er in der Schachcomputer-Szene berühmt geworden. Getaktet war die Recheneinheit damals 1993 mit 33 Mhz. Berücksichtigt man die zunehmend größer werdenden RAM-Chips, die häufig bei 512 KB bis 2 MB rangierten, so verwundert es nicht, das in Kombination mit leistungsfähiger Software und dem gleichzeitigem Einsatz der Hashtables für die Endspielberechnungen, Spielstärken von etwa 2200 Elo erreicht wurden. Dieses Wunder hat der Großrechner „BELLE“ zwar schon ganze 15 Jahre vorher realisiert. Ist aber 1. eine andere Liga und 2. sind uns Projekte, die einen wissenschaftlichen Hintergrund haben, zeitlich immer etwas voraus.

Für uns ist wahrscheinlich jetzt auch interessant welche Unterschiede existierten als die PC-Programme erschienen. Denn wie wir wissen, handelte es sich oftmals um Versionen jener Software, die bereits in den Speicher-ROM´s der Schachcomputer ihren Dienst verrichteten. Oder, was teils auch der Fall war, um vorhandene Programme, die zu diesem Zweck umgeschrieben und an die neue CPU-Architektur angepasst wurden.

Jetzt wollen wir wissen, welche wirklichen Differenzen bezüglich der Leistungsfähigkeit zwischen PC und dediziertem Schachcomputer auf hardware-technischer Seite vorhanden waren.

Die MIPS-Angabe misst die Leistung, zu der eine CPU fähig ist. Das bedeutet in der Umrechnung:

1 MIPS = (entspricht) 1.000.000 Befehle pro Sekunde

Bevor ich zum Direktvergleich komme, möchte ich noch die CPU von Hitachi erwähnen. Und zwar die SH 7034, die im Mephisto Milano Pro und Atlanta verbaut ist.

Hierbei handelt es sich um einen klassischen 32-bit-Prozessor mit RISC-Struktur, der auch industriell eingesetzt wurde.

Jetzt zur eigentlichen Auflistung alter Microprozessoren in ihrer Leistungsfähigkeit im Vergleich mit den frühen Intel-CPU´s, die damals in den IBM-PC´s zum Einsatz kamen. Natürlich wären auch die AMD-Prozessorgenerationen interessant. Allerdings liegen mir die Werte gerade nicht vor und kann Thema für eine nächste Aufstellung werden.

  1. RCA-1802 (Einführung 1974) CMOS-Risc-CPU = 0,4 MIPS bei 6,1 Mhz Einsatz: z.B. Satelliten, Bordcomputer der Raumsonde Galileo und Magellan – Mephisto I, Mephisto II, Mephisto III
  2. Zilog Z80A (1979) CPU = 0,4 MIPS bei 4 Mhz Einsatz: z.B. Homecomputer Tandy TRS-80, Pac-Man – Fidelity CC Sensory 8, Fidelity CC Sensory Voice
  3. MOS 6502 (1975 eingeführt) CPU (1-14 Mhz) = 0,5-7 MIPS Einsatz: z.B. Commodore VC 20, Apple I, II, Steuerungssysteme – Chafitz Sargon 2.5 ARB, Fidelity CC Champion, Fidelity CC Sensory 9
  4. Motorola 68000 (seit 1979) =1,5 MIPS bei 12 Mhz (~Intel 80286-8Mhz) Einsatz: z.B. Commodore Amiga, Unix-Systeme, Mephisto Berlin 68000 – Airbus A320 (ELAC), Texas Instruments TI-89, TI-92
  5. Motorola 68020 (seit 1984) = 6 MIPS bei 24 Mhz (~Intel 80386DX16) Einsatz: Eurofighter, Mephisto Berlin Professional 68020
  6. Motorola 68030 (seit 1987) = 10 MIPS bei 33 Mhz (~Intel 80386DX33) Einsatz: z.B. Homecomputer Apple und Amiga, Mephisto Genius 68030
  7. Motorola 68060 (seit 1994) = 88 MIPS bei 66 Mhz (~Intel Pentium 90) Einsatz: z.B. Extended Cards for Amiga, Embedded Systems BMW – Fidelity Elite Avant Garde V11
  8. Hitachi SH7034 (seit 1992) RISC CPU = 20 MIPS bei 20 Mhz (~Intel 80486SX25) Einsatz: z.B. Analogmodem ELSA Microlink 56k, ISDN Adapter TanGo 1000 – Mephisto Milano Pro, Mephisto Atlanta, Modulset Magellan
  9. ARMv2 (seit 1986) RISC-CPU = 7 MIPS bei 12 Mhz (~Intel 80386DX16) Einsatz: z.B. Homecomputer Acorn Archimedes, Mephisto Modulset RISC 2 + 1MB, Saitek RISC 2500, Tasc Chessmachine 14 Mhz
  10. ARMv6 (seit 1991) RISC-CPU = 28 MIPS bei 33 Mhz (~Intel 80486SX33) Einsatz: z.B. Acorn RISC-PC, Mephisto Montreux, Tasc Chessmachine 32 Mhz

So betrachtet haben wir einige relative Annäherungswerte erreicht. Natürlich variieren die geringfügig, aber es sind gute Richtwerte, die den ein oder anderen Vergleich zulassen.

Das „Genius 1“ Programm, welches vermutlich im Mephisto Berlin 68000 als Assembler-Programm eingesetzt wurde, kann in der DOSBOX gestartet werden. Entscheidend sind dann die Einstellungen in der Config.-Datei. Unter „cpu“ können wir auswählen: „auto“ ist die schnellste Umsetzung in der Emulation. Ansonsten „pentium_slow“ (~ Pentium 90), „486_slow“ (~ 80486SX33), „386“ (~ 80386DX33) oder „386_slow“ (~ 80386DX12). Nach der Auswahl des Parameters kann die Geschwindigkeit der DOS-Emulation mit „cycleup“ angepasst werden. Mit „Strg-F11/Strg-F12“ können die Cycles in 100er Schritten nach oben oder unten korrigiert werden. Dadurch eine identische Spielweise/Spielstärke zu erreichen ist zwar schwierig, aber dieser Ansatz kommt im Gedanken zumindest nahe hin.

Übrigens, die RCA-1802 CPU eignete sich im Speziellen deshalb auch für die Raumfahrt, weil sie als einige der wenigen extrem resistent gegen hohe Strahlung war.

Eine Partie gegen Genius 5 – etwas näher betrachtet

Diese Partie entstand eigentlich nur aus einer Laune heraus. Ziel war es, das PC-Modul mit dem Mephisto Modular im Zusammenspiel zu testen. Nachdem ich meinen alten Pentium-PC im DOS-Modus gestartet hatte, führte ich den Programmaufruf von Genius 5 (Richard Lang) aus und stellte im Menü die Verbindung zum Schachcomputer (=Modularbrett) her.

In der Folge spielte ich die Eröffnung eher in belangloser Weise, denn im Vordergrund stand die technische Funktion. Ich wollte sicherstellen, dass diese korrekt vorhanden war.

Erst im Übergang zum Mittelspiel fand ich die Stellung interessant und wollte sehen, was sich daraus entwickeln könnte. Im Prinzip war es der 18. Zug mit Läufer d3, wo ich entdeckte, dass da vielleicht auch mehr drin sein könnte als nur so dahin zu spielen. Also beschloss ich, den schwarzen Turm auf e4, danach auf e6 zu bedrohen um dasselbe über d7 fortzuführen und seinen zweiten Turm auf d8 ins Visier zu nehmen.

Aber jetzt zuerst hier die Notation der Partie gegen das Programm.

Weiß: das war ich selbst

Schwarz: Programm Genius 5 (Elo: 2333)

PC- Pentium III 667 Mhz ( DOS 7.0 Modus)

Interface: PC- Modul over LPT1

+ Mephisto Modular Brett

Datum: 05.11.2020

Analyse erstellt durch: Stockfish 14 und Naum 4.6

Eröffnung: D45: Damengambit (Anti-Meraner Variante)

1.d4 c6 2.c4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 6.cxd5 exd5 letzter Buchzug

7.Le2 [ 7.Ld3!?= ist eine Alternative ] 7.Ld6

8.Ld2 [ 8.Dc2 0-0 ] 8 0-0 9.Dc2 Te8

10.Sh4 [ 10.Ld3 De7 ] Naum 4.6 erwog g6 um Sf5 von Weiß zu verhindern]

10…Sf8 [ 10…Lc7!?-+ ]

11.Sf5 Lxf5

12.Dxf5 Weiß hat das Läuferpaar Sg6 [ 12…Se6 13.0-0 ] Naum 4.6 mit der Idee b5 um den Springer von f8 über d7, b6 nach c4 zu bringen.

Seitens Stockfish 14 stünde auch Tc8 im Raum, danach mit Se6 als Idee um auf den wBd4 Druck auszuüben.

13.Dh3 [ 13.0-0 Sf8= ] 13…Se4 [ 13…Sf8 14.0-0 ]

14.Sxe4 Txe4 15. g3 es geht um f4 Den machte ich mehr intuitiv. Stockfish ist absolut gleicher Meinung – ach wie liebe ich das Db6 Schwarz droht Materialgewinn: Db6xb2

16.Lc3 Lb4 [ 16…Sf8 17.0-0 ] 17.0-0 Tae8 [ 17…Sf8 18.a3 Ld6 19.Ld3 ] 18.Ld3 [ 18.a3 Lxc3 19.bxc3 T4e7± weil es den direkten Angriff verhindert hätte ] 18…T4e6

19.Lf5 ein naheliegender Zug, den Stockfish aber nur als ausgeglichen bewertet. Im Nachgang käme der schwarze Turm auf f6 was die Partie in eine andere Richtung gebracht hätte. Die Stellung wäre dennoch = in der Bewertung [ 19.a3!? Ld6 20.b4± ]

19…T6e7 20.Ld7 Weiß droht Materialgewinn: Ld7xe8 Td8 Schwarz droht Materialgewinn: Td8xd7. Auch Ta8 wurde in Erwägung gezogen. Alternativ erwägt Naum 4.6 auch Turm b8, allerdings ohne in der Bewertung (-0.01) den Remishorizont zu überschreiten.

Ansonsten bleibt Td8 der richtige Zug (0.00). Mangels sinnvoller Fortsetzungen, die prinzipiell gewinnführend wären.

21.Lf5 [ 21.Lg4 Sf8= um die Stellungswiederholung zu umgehen ] 21…Tde8 [ 21…Sf8 oder a6 wäre Stockfish bestrebt das Spiel am Laufen zu halten.

22.Ld3= als Alternative ] 22.Ld7 Weiß droht Materialgewinn: Ld7xe8 Td8 Schwarz droht Materialgewinn: Td8xd7

23.Lf5 Tde8 = [mit Sf8, gleichermaßen mit 0.00 bewertet, hätte SF14 ggf. die Partie fortgesetzt]

3-fache Stellungswiederholung (Remis)

Ergebnis: ½-½

Genius 5 entschloss sich in dieser Situation zu einer 3-fachen Wiederholung der Stellung. Programme agieren im Rahmen ihrer Routinen. Die Algorithmen forcieren seit Genius 4 in eher ausgewogenen Stellungsbildern das Remis. Das Problem ist, dass das Programm nicht weiß, ob der Gegner eine Maschine oder ein Mensch ist. Desweiteren nicht ob der Kontrahent stark spielt oder nicht, beziehungsweise wo dessen Schwächen oder Stärken liegen. Für die Software sind keine Indikatoren vorhanden, die eine explizite Einschätzung ermöglichen, wie ich in diesem oder jenem Teil der Partie spielen würde.

Wie beeinflusst das die Herangehensweise im Verlauf einer Partie?

Vereinfacht ausgedrückt, ich hätte eine der oben aufgeführten Varianten spielen und die Stellung verkomplizieren können. Manche Spieler machen das, weil sie so beim Gegner Fehler provozieren um dann im Endspiel durch bessere Strukturen zu gewinnen. Sinnvoll ist diese Strategie nur dann, wenn ein Sieg durch Erzwingen von Ungenauigkeiten real greifbar ist, weil ein Überziehen der Stellung auch den Verlust bedeuten kann.

Ich wollte das unter Berücksichtigung der Spielstärke von Genius 5 nicht tun. Die feine Abwicklung ins Remis ist mir sehr entgegengekommen. Ein starker Turnierspieler, der in einem Mannschaftskampf spielt, würde an dieser Position weiterspielen, vorausgesetzt, das ihm die Daten ( Elo-/ DWZ ) des Spielgegners bekannt sind.

Das ist dann vom Prinzip wieder gleich. Das vorliegende Datenmaterial ist der Punkt, der soweit entscheidet. Das ist die Grundlage jedweder Vorbereitung. Im allgemeinen basiert jedes größere Turniergeschehen auf diesen Datenbanken. Das beinhaltet die publizierten Partien, die Eröffnungssysteme der einzelnen Spieler, die Ligazuordnung sowie deren internationale Elozahl respektive nationale DWZ-Einordnung.

Das sind die zugrundeliegenden Faktoren, auf denen die Schwachstellen des Gegners abgeklopft werden. Die Spieldynamik wird natürlich begrenzt, je mehr statisches Wissen vorliegt. Irgendwann stößt alles an seine Grenzen. Heute ist Schach wissensgestützt auf Computeranalysen und vielfältigste Datenbankabfragen gegründet. Objektiv beurteilt ist das Spiel perfekter geworden. Ob es dadurch an Attraktivität gewinnt oder verliert, das sei der Philosophie jedes einzelnen überlassen.

Jetzt, wo das Weltmeisterschaftsmatch 2021 in Dubai (24. Nov. -16. Dez.) ansteht, werden wir wieder erleben dürfen wie in Nuancen und akribischer Vorbereitungsleistung um den Titel gekämpft wird. Die Protagonisten sind der amtierende Weltmeister Magnus Carlsen aus Norwegen sowie sein Herausforderer Ian Nepomniachtchi aus Russland.

Es würde mich nicht wundern, wenn das Sekundantenteam eigens für die jeweiligen Rechenprozesse einen AMD Ryzen Threadripper mit 64 Kernen verwenden würde. Nebenan käme noch eine NVIDIA GeForce RTX 3090 24GB GPU-Grafikkarte ins Spiel. Kombiniert mit SSD und 256 GB RAM wäre das für unsereins ein technisches Feuerwerk. Für den super-professionellen Bereich gibt es da zweifellos noch mehr, abgesehen von Netzwerken, die viele dieser Rechner enthalten. Ich spreche da mehr vom Großrechnerbereich, einem ganzen Rechenzentrum, insofern ein Team begrenzt darauf Zugriff hätte.

Wenn dann Spitzensoftware wie Stockfish14 NNUE und einige andere Top-Level-Programme eingesetzt werden, die jederzeit 128 Prozessorkerne ansprechen können, aller Endspieldatenbanken inklusive, so kann man sich vorstellen, welche Möglichkeiten existieren um effektiv einen Matchkampf vorzubereiten.

Übersehen werden darf dabei nicht, dass KI-Programme im Schach durch Millionen von Partien und Positionen gelernt haben. Aus diesen Erkenntnissen und den damit im Zusammenhang stehenden physischen IT-Strukturen ist es möglich geworden Verzweigungssuchbäume extrem weit durchzurechnen. Einerseits um Löcher in bisherigen theoretischen Ansätzen zu schließen als auch Neuerungen zu erforschen, die bisher unentdeckt geblieben sind. Jedenfalls ist das Potential unermeßlich groß, etwas, das der Entwicklung des Schachspiels massiv Vorschub leistet.

Springen wir zurück zur Software von Richard Lang, dem GENIUS 5, welches Mitte der Neunziger Jahre eines der besten Schachprogramme auf dem Markt war. In jenen Zeiten konkurrierte es mit REBEL, mit MCHESS, mit HIARCS, mit FRITZ, mit WCHESS und einigen anderen Kreationen mehr. Die genauesten Werte finden sich im Direktvergleich mit zahlreichen Games gegen die Elite der damaligen Zeit, die ich erwähnt habe.

Spielt das Lang-Programm Genius 5 einen Matchkampf gegen mich oder das Mephisto MM II Modul (programmiert von Ulf Rathsman), so ist dieser definitiv nicht aussagekräftig. Zu weit klafft die wirkliche Distanz in beiden Fällen auseinander. Ganz ähnlich wäre der Effekt, gäbe es einen Matchvergleich zwischen Genius und Stockfish. Gleichermaßen wäre hier der Klassenunterschied beträchtlich zu hoch als das dieser einen Wert bzw. einen Bezug zur Spielstärke beider Programme hätte. Es beträfe nur das andere Extrem.

Früher war das Auftreten des zu vorschnellen Remis-Effekts häufiger. Witzigerweise ist mir das selber bereits passiert als ich die Caro-Kann-Eröffnung spielte, die im Aufbau so als ziemlich solide eingestuft ist. Sowohl die Software KALLISTO 1.82 (2109 Elo) wie auch der MEPHISTO ATLANTA (2087 Elo) und beide im Spielverhalten eher die Taktiker, schienen es für notwendig zu halten nach ca. 12 Zügen (nach der Stellungswiederholung waren es 14 oder 15) ins Remis einzulenken. Das war fast etwas irritierend und entsprach grundsätzlich nicht dem Angriffsstil, der diese beiden Programme auszeichnet.

Wahrscheinlicher ist es, dass diese vorzeitige Blockade und Abdriften ins Unentschieden folgenden Grund hat. Durch die Initiative, die in etwa im 12. Zug von mir aus ging, wurde den Programmen der Übergang ins entstehende Mittelspiel zu gefährlich und zwar schlicht aus ihrer subjektiven Beurteilung heraus. Denn selbst eine negative Bewertung, die nur mit sehr geringfügigen (z.B. im Bereich von -0.40) Komplikationen verbunden ist und irgendwo in den Verästelungen des Suchbaums als solche wahrgenommen wird, kann jenen Effekt auslösen. Keine Ahnung, ob ich dieses Phänomen „Remis-Schleife“ nennen soll oder nicht. Jedenfalls sind es Eigenheiten in den Algorithmen, die eine Partie zu früh verflachen lassen und einen scharfen Verlauf häufiger verhindern können als gedacht.

Das Mephisto PC-Modul als alternative Schnittstelle zur Software

Interface: Mephisto PC-Modul

Baujahr: 1996

Verbindung: parallel (LPT) über die Druckerschnittstelle

BIOS-Konfiguration: EPP (bidirektional)

Betriebssysteme: DOS 6.22, Windows 3.11, Windows 95, Windows 98

Zugeingabe: Magnetsensorbretter (Mephisto „Modular“, „Exclusive“, „München“)

Zugausgabe: 64 Feld-LED´s

DOS – Programme, die mit dem Modul kommunizieren:

GENIUS 3 + 4 + 5 for DOS (Richard Lang)

REBEL 7 + 8 (Ed Schröder)

FRITZ 3 (Frans Morsch)

CHESS SYSTEM TAL (Chris Wittington)

Die Programmansteuerung in der Software erfolgt mit folgenden Menübefehlen:

In den Rebel-Versionen muss „PC-Auto-Board“ aktiviert sein.

In den Genius-Versionen muss „Kasparov AutoBoard“ aktiviert sein.

Im Chess System Tal ist es erforderlich im Programmaufruf der entsprechenden „.exe“ den Schalter „/saitek“ anzufügen. Die Datenübertragung wird so gewährleistet.

Beim Fritz ist nach dem Start des Programms, der Tastaturbefehl „Strg+F8“ einzugeben um die Zugübertragung zu aktivieren. Erscheint der Dialog „Saitek Board“, dann ist die Verbindung erfolgreich.

Diese Programmversionen waren in den meisten Fällen fortgeschrittene Entwicklungen jener Programme, die früher in Schachcomputern zum Einsatz kamen und später an die Architektur des PC´s angepasst wurden. Den größten Unterschied gab es allerdings hardwareseitig. Denn durch die schnellere Abarbeitung der Befehle wurden die Programmroutinen beschleunigt und somit noch etwas mehr an Spielstärke erreicht. Umgekehrt ist es beim Schachprogramm Fritz 3 gewesen.

Hier wurde die Software nachträglich für den Hitachi SH7034-Prozessor transcodiert. Im Mephisto Milano Pro (1996) und später insbesondere im Mephisto Atlanta (1997) griff man auf diese Software zurück.

Das PC-MODUL ersetzte in gewisser Weise bestimmte Rechenmodule, beziehungsweise einige speziell von mir noch erwähnte Laptop-Stand-Alone-Schachcomputer der Mephisto-Produktlinie.

Und zwar jene dedizierten Schachcomputer oder Steckmoduleinheiten, welche in der Einzelanschaffung, insofern auf dem Gebrauchtmarkt vakant, nicht unbedingt als Elektronikschrott gehandelt werden 🙂

Programmverwandte Computer zur Software, die per PC-MODUL ansteuerbar sind, seien der Vollständigkeit halber hier erwähnt:

für die DOS-FRITZ 3-Software (2245 Elo)

stehen folgende Schachcomputer und Module der 6. Generation.

– Mephisto Atlanta (2087 Elo)

– Mephisto Magellan (Modulset 2087 Elo)

– Mephisto Milano Pro (ohne Hashtables 1976 Elo)

– Mephisto Senator (Modulset ohne Hashtables 1976 Elo)

Anmerkung:

Fritz 3 aktiviert den Speicher für die Hashtables nicht vollautomatisch. Voreingestellt sind allerdings 64 KB Speicher RAM als Grundeinheit. Während ein Milano Pro ohne die Speichertabellen auskommen muss, verfügt der Atlanta hingegen über 512 KB RAM als Speicher für die internen Transpositiontables, welche im Endspiel verstärkt zum Tragen kommen.

Um jetzt zu erreichen, das die PC-Software Fritz 3 mehr RAM-Speicherkontingent für die Hashtables erhält, müssen wir – ich verwende das Beispiel über die „Dfend“ Dosbox – die Settings zuerst ändern. Nur dann bekommen wir einen definierten Wert.

Im Profileditor unter Arbeitsspeicher ist das Häkchen in den Feldern XMS und EMS zu deaktivieren. Die Größe in MB (z.B. 8) oben angeben. Im nächsten Schritt eine Datei erstellen: „fritz3.bat“ im Fritz3-Programmordner. Diese inhaltlich bearbeiten (fritz3.exe /x) und abspeichern. Zuletzt unter Profil den Pfad anpassen. Dann die „fritz3.bat“ starten.

Darüber hinaus die DOS- Versionen der REBEL 7 + REBEL 8-Software (2297/2339 Elo), die untenstehenden Modulen weitestgehend zuzuordnen sind:

– Mephisto Risc 1MB und Risc 2 (Modulsets 2100/2126 Elo)

Desweiteren die DOS-Software-Version GENIUS 3 (2311 Elo)

dessen Hardware-Pendants folgenden Modulen und Computern entstammen:

London EPROM, welches in folgende Geräte implementiert wurde

– Mephisto (Modul) Genius 68030 (2193 Elo) sowie die schwarze Laptopreihe

– Mephisto Berlin 68000 (2050 Elo) + Berlin Professional 68020 (2150 Elo)

Die DOS-GENIUS 4-Software (2303 Elo) ist eine reine weitere Programmvariante. Hier gab es keinen Zuwachs an Spielstärke, nur Veränderungen in den Routinen. Stellungen, die zwangsläufig ins Remis führten, wurden so weitaus effizienter registriert.

Die DOS-GENIUS 5-Software (2333 Elo) nahezu baugleich. Entsprechend der SSDF-Liste spielt diese Version lediglich etwa 20 Elopunkte stärker.

Der Unterschied besteht in erweiterten Features und einer Zunahme der Spielstärke im Blitzschach. Gleichermaßen in den erweiterten 3-fach-Stellungsroutinen. *

Some more features? So kleinlich darf das nicht gesehen werden. Ich führe nur einige Neuerungen explizit auf, die mir wirklich relevant erscheinen.

  • es existiert eine DOS + Windows Version des Programms
  • das Eröffnungsbuch kann editiert werden
  • ein neues Buch von de Gorter wurde implementiert
  • umschalten auf ein 3-D-Board (räumliche Darstellung des Schachbrettes)
  • mehr Optionen zu einstellbaren Zeitkontrollen
  • unterstützt die Dateiformate „EPD“ und „PGN“
  • kooperiert mit TASC, MEPHISTO, CHESS232 – Boards
  • sogar das „CBF“ Format von Chessbase ist kein Fremdwort

* Diesen Vorteil-/Nachteil werde ich demnächst anhand einer Partie dokumentieren.

Die DOS-Version vom CHESS SYSTEM TAL (2150 Elo) hatte keine software-spezifische Entsprechung in dem Sinne, das diese in einen Schachcomputer verbaut wurde.

Das Mephisto PC-MODUL findet seine Entsprechung im Mephisto-PC-BRETT. Jenes, das als Vollholz-Sensorbrett mit komfortabler 64- LED Zugeingabe-/ Zugausgabe versehen ist.

Technisch gibt es nur den Unterschied: es ist kein Modular-/Exclusive-/ oder gar ein München-Brett der Standard- Mephisto-Reihe notwendig.

Denn hier ist die Verschaltung zur parallelen LPT-Schnittstelle bereits im externen Brett selbst integriert und steuert die Kommunikation mit der PC-Software.

Das elektronische PC- Sensorbrett von Novag Chess Computer

Interface: NOVAG Universal Electronic Chessboard

Baujahr: 1996

Verbindung: RJ12 – seriell (25-polig)

Betriebssysteme: DOS 6.22, Windows 3.11, Windows 95/98, DOSBOX 0.74

Zugeingabe: Holz-Magnetsensorbrett

Zugausgabe: 81 Feld-LED´s

DOS – Programme, die mit dem Brett kommunizieren können:

FRITZ 1 + 2 + 3 (Frans Morsch, Elo 1941 /2030 slow486er /2245 P90)

WCHESS 1.03 + 1.05 (Dave Kittinger, Elo 2199 486DX2 /2220 P90)

HIARCS 6.0 (Marc Uniacke, Elo 2336 P90)

HIARCS 7.32 (M. Uniacke) NIMZO 7.32 (C. Donninger) für Windows 95/98 funktioniert grundsätzlich auch, jedoch hatte ich keine Gelegenheit das zu testen. Aus diesem Grund lasse ich das momentan offen.

An das Brett anzuschließende dedizierte Schachcomputer:

NOVAG Sapphire + Sapphire II

NOVAG Diamond + Diamond II

NOVAG Super VIP (per NOVAG Distributor, „Berger“ Interface)

Sowohl im NOVAG Sapphire (1990 Elo) und NOVAG Diamond II (2010 Elo) werkelt bereits das WCHESS-Programm von Dave Kittinger in seinen frühen Versionen. Selbst der NOVAG Super VIP, den er auch programmiert hat, spielt mit ungefähr 1600 Elo ein respektables Schach, das taktisch geprägt ist, wenngleich es im Endspiel erwartungsgemäß Löcher aufweist. Deren Anschluss erfolgt über zwei baugleiche RJ12-Interfaces, die das Universal Board mit den Schachcomputern verbinden. Zu achten ist auf die Schalterstellung seitlich am UCB. Gemäß der BDA ist „eine“ Position des Schalters für die Verbindung zum PC.

Unabhängig davon, ob die genannten Software-Programme im nativen DOS gestartet werden oder über die Verbindung zur DOSBOX hergestellt wird, ist es nötig, vorher den Treiber zu laden, der die Kommunikation zwischen UCB und dem PC ermöglicht. Die Befehle sind vordefiniert und es ist zugleich zwingend, den physischen COM-Anschluss, der verwendet wird, anzugeben. Als Beispiel lautet dieser beim Start von HIARCS 6.0 schlicht „Thiarcs6.exe /1“, wenn man davon ausgeht, dass das UCB mit dem seriellen Interface COM1 am PC verbunden ist. Nachdem der Treiber in den Speicher geladen wurde, kann nun über die Eingabe „Hiarcs6.exe“ im eigentlichen Programmordner die Software gestartet werden. Auch in diesem Fall gilt es eine Geschwindigkeit in der Übertragung von 9600 Baudrate einzustellen. 1 Stopbit und ohne Parität, was aber für die meisten Anwendungen von damals eher der Standard war.

Über die verwendete Technik von NOVAG kann man sich hier streiten. Ging es darum, innovative Ideen auf den Markt zu werfen wurde der Konsument positiv überrascht. Auch die Preislage war angemessen und erschwinglich und es entstanden neue Wege. Etwas weniger zeitgemäß dürfte es gewesen sein, eine Kabelverbindung zu schaffen, die einen veralteten Standard hatte. Eine RJ12-25-polige-serielle Verbindung hatten oftmals nur noch wirklich alte IBM 80386-PC´s. Später war das immer seltener anzutreffen.

So war es nötig zu adaptieren und es entstand mehr Kabelgewirr auf dem Tisch. Um auf den gängigen 9-poligen-seriellen Standard anzuschließen war ein Hardwareadapter nötig. Schwieriger wurde es in den viel späteren Jahren als USB zur Universal-Schnittstelle wurde. Denn zur korrekten Übersetzung der Signale war in aller Regel ein FTDI-Chip unumgänglich, welcher die Daten durchspeisen konnte. Dafür ist es dann ziemlich erstaunlich zu sehen, das es möglich ist, auf einem Windows 10 Laptop die DOSBOX zu starten, lediglich einige Konfigurationsdateien anzupassen und dadurch ein altes NOVAGUCB wieder zu aktivieren. Die Signale werden übertragen und das Spiel beginnt.

Voraussetzung für solche Projekte bleibt aber stets, dass die alte Verkabelung in einem einwandfreien Zustand vorhanden ist. Denn Ersatz ist nicht nur selten geworden, meist sind die Kabel und Lötstellen in die Tage gekommen, was Ausfälle begünstigt.

Und so lande ich zuletzt wieder bei „Berger Projects“.

Die Hardware-Lösungen, die auf dieser Homepage angeboten werden sind nicht nur sehr durchdacht, sondern auch ein interessanter Lichtblick, gerade wenn es darum geht, durch innovative Produkte, die Funktionen alter Schachcomputer zu reaktivieren oder teils auch zu erweitern.

Etwas zu technischen Entwicklungen der Mittneunziger

Mitte der 90`ziger erschienen allgemein viele interessante Entwicklungen. Eine Art kleine Zeitenwende, wo PC-Programme den großen Sprung machten und den bislang gewohnten, konventionellen Schachcomputer nahezu verdrängten. Ein Prozess, der sich über ungefähr 10 Jahre eher scheinbar vollzog. Für die Freaks jedoch war der Nischenmarkt stets nach wie vor gefragt und selbst zwei Dekaden später erlebten genau diese Geräte wieder einen regelrechten Boom.

Heute gibt es erneut ein reiches Angebot von Table-Schach-Computern, welche, bestückt mit angepasster, weit modernerer Hardware-Technik, eine Art Renaissance einleiteten. Flankiert durch ideenreiche, innovative Lösungen mittels emulierter Software, wurden so wieder technisch hervorragende Lösungen präsentiert.

Den goldenen Schnitt zwischen den Softwareentwicklungen, die am PC das Geschehen dominierten und der bestehenden konventionellen Technik aus den Achtzigern, machten vor allem die elektronischen PC-Bretter und Module. Einige davon ausgestattet mit automatischer Erkennung der Figuren, andere nicht, hatten diese den Zweck, den Schachcomputer als denkende Einheit „in einem“ zu ersetzen und somit die Rechenarbeit ausschließlich auf den PC zu verlagern.

Über die parallele Schnittstelle wurde es möglich, ein modulares Brett von Mephisto oder Tasc mit dem am PC laufenden Schachprogramm zu verbinden. Diese liefen zu jenem Zeitpunkt in aller Regel unter Windows 95 oder 98 problemlos, weil diese 32-bit Betriebssysteme jederzeit in den nativen DOS-Modus wechseln konnten. Ein puritanisches MS-DOS 6.22 (16-bit) als reine Installation war daher ebenso ausreichend um ein kompatibles Schachprogramm und seine grafische Benutzeroberfläche zu laden. Denn viele berühmte Programme der damaligen Zeit, hatten eine 16-bit Struktur, wodurch das notwendige Zusammenspiel gegeben war. Das alles funktionierte nicht weniger mit Brettern, die eine serielle Schnittstelle besaßen. Hauptsächliche Bedingung war stets, daß das Programm die Boards der verschiedenen Hersteller unterstützte.

Mit dem Terminalprogramm „PROCOMM“, simuliert in der DOSBOX 0.74 laufend und in der Konfigurations-Datei mit den nötigen Parametern versehen, insbesondere was das serielle Interface betrifft, macht es grundsätzlich möglich, einen alten Novag Super VIP oder Novag Sapphire, gleichermaßen wie den Novag Diamond am PC zu betreiben und die Partie auf das Terminal zu übertragen und zu protokollieren. Zu beachten ist in den Einstellungen immer die beidseitige Baudrate von 9600 in der Geschwindigkeit.

In seiner modernen Form ist das gleichermaßen mit dem Terminalprogramm „Putty“ möglich. Es erlaubt das Festlegen der seriellen Übertragung durch den Port21. Auf diesem Weg ist die Eingabe von Zügen (inklusive der Zugantwort des Computers) als auch die Protokollierung in einer Textdatei einfach zu handhaben. Die Weiterleitung in ein spezielles Schachprogramm wie beispielsweise Chessbase, ist dann mit theoretisch zwei Mausklicks machbar. Dort kann die Partie archiviert, analysiert und bearbeitet werden.

Wer unter anderem nicht die seltene „Novag PC-Distributor-Box“ aus dem Jahr 1990 besitzt, findet eine anwendbare Alternative im „Novag Serial Interface“ von „Berger Projects“, einem Entwickler aus Barcelona. Dieses Teil interpretiert die seriellen Befehle in unkomplizierter Weise, wodurch eine Signalübertragung zwischen Schachcomputer und dem PC ermöglicht wird.

Das generiert mehrfältige Möglichkeiten und bringt uns dahin, das dadurch auch jederzeit Computer mit Windows 10 eingesetzt werden können. Über Arena Chess 3.5 und dessen Autoplayer-Funktion ist es möglich, die serielle Schnittstelle anzusteuern. Dabei wird dann ein kompatibler Novag-Schachcomputer als Engine ins Programm integriert und kann so Matchpartien gegen andere Engines bestreiten.

Voraussetzung ist dabei in diesen Fällen immer, dass die Verbindung auch am alten Schachcomputer geöffnet wird. Das passiert z.B. bei den Geräten Novag Sapphire wie Sapphire II mit den Tastenbefehlen „Option1 + E5 (VidEo) + A1 (intEr=)“. Auf diese Weise wird der Video-Modus sowie der Datentransfer aktiviert.

DOS-PC-Schach – Software Sargon V

Sargon V

Anno 1980 war es der Sargon ARB 2.5 von „Chafitz/Applied Concepts“. Jenes erste Auto-Response-Board, das mit Magnet-Sensor-Technik in Turniergröße auf den Markt kam. Allerdings extrem teuer. Insoweit ich mich erinnere lag dieser damals umgerechnet bei ca. 2.998 DM. Dürfte eher die Preislage gewesen sein, die nur wenige wirklich bereit waren zu investieren.

Programmiert wurde der Sargon 2.5 jedoch bereits von Dan & Kate Spracklen. Bekannt wurde er auch durch das MGS-System von Chafitz, das als preisgünstigere Variante jene Software integriert hatte. Die war sogar schon ab Ende 1979 auf dem Markt.

Mit einem 6502-Prozessor (2 Mhz) versehen und betrachtet das es die Anfangszeit in der Entwicklung kommerzieller Schachcomputer war, galt er zudem als spielstarkes Gerät. Seine Bibliothek konnte sich mit 800 Halbzügen Theorie in jener Ära zwar sehen lassen, aber 1-2 Jahre danach hatte manche Entwicklung bereits ihre Halbwertszeit erreicht.

Die Bedenkzeit des Gegners (Pondern) verwendete Sargon 2.5 bereits dafür an seiner nächsten Zugantwort zu arbeiten. Heute alles unspektakulär, aber es waren die frühen Jahre. Selbst bis heute ist diese Programmfunktion nicht immer zu finden.

Spielstärke: jetzt gelistet mit 1371 Elo im Vergleich mit anderen Computern. Lange Zeit wurde er mit 1500 Elo gewertet und ich denke, im Spiel gegen Menschen, war es ein durchaus realistischer Wert. Während hingegen aus dem beiliegenden Prospekt jene plakativ beworbenen Elo 1800 nicht machbar waren. Soweit war es einst noch nicht.

Diese Zahlen bewegten sich im Großrechnerbereich, wo sogar Werte über der magischen 2000er Grenze einige Jahre zuvor erreicht wurden.

Bei Verwendung langer Bedenkzeit-Stufen, wo Sargon 2.5, 1-4 Stunden am Zug rechnete, dürften aber 1600 Elo sehr wohl greifbar gewesen sein.

Das Programmmodul war auswechselbar. Und so kamen später noch weitere Versionen auf den Markt, auch technisch getunte Module, die aufgrund ihrer höheren Taktfrequenz eine entsprechend stärkere Spielleistung ermöglichten. Die Version 4.0 kam exakt vier Jahre später und erreichte tatsächliche 1700 Elopunkte.

Was für das Programm sprach ist die Umsetzung auf alter, fast baugleicher Hardware. Lediglich 16 KB ROM wurden verwendet. Denn die Eröffnungsbibliothek umfasste jetzt über 4.500 Positionen. Der Sargon 4.0 ARB spielt taktisch stark und extrem offensiv.

Zeigt in positionellen Aspekten aber auch Schwächen, die nicht zwingend mit 16-20 Mhz aufgerüsteten Platinen wirklich ausgemerzt werden können.

Was die Programme der Spracklen´s allerdings erst so interessant machte, war deren unberechenbare Taktik. Als „Dschungelschach“ wurde es bezeichnet, weil es einen eher wilden Spielstil repräsentierte, der in jedem Fall gewöhnungsbedürftig war.

Die modifizierte Version V, die es ausschließlich nur noch als Software für DOS gab, kam mit einer etwas anderen Grafik-Oberfläche auf den Markt. Die Spielstärke konnte nicht mit den neuesten Entwicklungen im direkten Sinne konkurrieren. Was aber Sargon V nicht seinen Charme genommen hat. Partien gegen Schachcomputer der Neunziger zeigen, dass diese Softwareentwicklung aus dem Jahr 1991 durchaus Biss hatte und bis zu einem gewissen Level mithalten konnte.

Der „Berlin 68000„, der wie wir wissen, im Gegensatz zu Sargon V sehr positionell sein Spiel forciert, tat sich gegen die Version 5 nicht unbedingt leicht und wickelte deshalb in einem umkämpften Mittelspiel seinen Turm im Tausch gegen Sargon´s gefährlichen Läufer ab.

Ergebnis:

Mephisto Berlin 68000 (2015 Elo) – MS-DOS- Programm Sargon V (0,5 : 0,5)

Remisstellung nach 3-facher Stellungswiederholung.

In einer weiteren Partie gegen den Mephisto Atlanta wurde es für unser DOS-Programm deutlich schwieriger. Im Endspiel stand der Atlanta mit zwei Mehrbauern dann definitiv auf Gewinn und nahm folgerichtig auch den vollen Punkt mit. Seine bessere Verwertung der Chancen ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass er in taktischen Scharmützeln besser aufgestellt ist als das Programm von Richard Lang.

Ergebnis:

Mephisto Atlanta (2090 Elo) – MS-DOS-Programm Sargon V (1 : 0)

Abschließend zu Sargon V:

gemessen auf einem IBM 486DX 33Mhz erreicht dieses Programm eine Spielstärke von um die 2000 Elo (einer niederländischen Liste zufolge).

Bei mir selbst lief es im Test auf einem Pentium MMX 200, wo es gewiss 2050 Elo erreicht, berücksichtigt man die gespielten Partien gegen starke Schachcomputer. Ob es auf einem Pentium III 667Mhz von mir die 2100 Elomarke durchbricht, ist völlig offen.

Dafür fehlen mir Testpartien, wodurch eine solche Annahme rein hypothetisch wäre und nur durch eine Anzahl an Games verifiziert werden könnte.

Wird Sargon V in der DOSBOX ausgeführt, so kann die Hardware entsprechend auf einen IBM 386SX 25Mhz, DX 40Mhz, 486SX 33Mhz in den Konfigurations-Einstellungen skaliert werden. Ebenso im gleichen Zuge auf einen IBM 486 DX2 66 oder einen Pentium 90.

Die Spielstärke lässt sich so stufenweise nach unten wie oben regulieren. Schwankungen von +/- 50 oder gar über 100 Elopunkten sind da jederzeit drin. Erreicht aber ihre oberen Grenzwerte durch die Programmroutinen, die alleine durch die deutliche Erhöhung der Taktfrequenz, meinetwegen auch infolge der verbesserten Architektur höherwertiger Intelprozessoren, nicht mehr unbedingt verbesserungsfähig waren und sind.

Hashtables – oder strategisches Endspielwissen?

Auch bekannt als Transpositionstabellen für den Fachbegriff im Computerschach. Man wird es kaum glauben, aber die Historie dieser Programmiertechnik reicht bis in die Siebziger Jahre zurück. Zwischen 1972 und 1979 wurde mit dem Großrechner Belle, welcher auf spezieller Hardware seine Berechnungen durchführte, ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Und dem will ich hier Beachtung schenken.

In der offenen amerikanischen Schachmeisterschaft 1983 erzielte Belle eine beachtliche Turnierleistung von 2363 Elo. Für die damalige Zeit war das ein Meilenstein. Auch nicht unbedingt von der Hand zu weisen, das es das Einläuten einer neuen Ära war. Denn von da an wurden die ersten Homecomputer populär. Dedizierte Schachcomputer eroberten den Markt parallel zu den ersten Softwareprodukten für Apple, Atari und IBM-Computer.

Die Hashtables, häufig auch Endspieltabellen benannt, fanden erst später, in der zweiten Hälfte der Achtziger Einzug in die Computer von Mephisto und Fidelity. Soweit ich mich entsinne, folgte Novag mit der Implementierung erst etwas später nach.

Natürlich können die Tables, abgekürzt, bereits im Mittelspiel des Schachs zum Einsatz kommen, aber da sind noch viele Figuren auf dem Brett und die Zugmöglichkeiten sind noch eingegrenzter. Die Zahl infrage kommender Varianten, die tatsächlich sinnvoll das Spiel weiterentwickeln, sind hier noch überschaubarer und der ein oder andere Halbzug tiefergerechnet, bringt hier selten einen brachialen Vorteil. Selbst dann, wenn die Tables einzelne Suchbäume nochmal etwas tiefer abgreifen. Denn in diesem Abschnitt führen meist mehrere Spielzüge zu einem potentiell gutem Ergebnis.

Im Endspiel sieht das anders aus. Der aktiven Figuren sind weit weniger geworden, dafür hat sich ihr Radius allerdings erweitert. Erheblich spürbar macht sich das in dem Sinne, das jede Figur an Bedeutung gewinnt und die Gewichtung variiert. Jeder Fehlgriff lässt in diesem Abschnitt den Spieler schneller verlieren. Einzige Gewinnzüge sind dann keine Seltenheit mehr und machen das Spiel nicht nur komplizierter, sondern erschweren einem Programm bei der Suche nach dem richtigen Zug, massiv den Gewinnweg. Konkretes Endspielwissen hilft da natürlich weiter. Jedoch haben diesen Ansatz, nicht zuletzt wegen damals knapper Hardware-Ressourcen, nur wenige Programmierer gut hinbekommen.

Ein Paradoxon übrigens. Je leerer das Brett, desto komplexer die Zugauswahl.

Ja, richtig gelesen. Nicht umsonst füllen Software-Datenbanken mehrere Terabyte an Speicherplatz, nur um lediglich den Ausgang zu errechnen, den ein Spiel nimmt, wenn ausschließlich gerade mal noch 7 Steine (Figuren) das Schachbrett bevölkern.

Sind es mehr Figuren, die auf dem Brett spielen, sind die Kapazitäten für die Berechnung noch nicht ausreichend vorhanden. Die Lösungswege werden dann rechnerisch entdeckt oder es entsteht kein optimales Spiel, rein theoretisch formuliert. Sobald ein Programm jedoch auf die Tablebases (Datenbanken) Zugriff hat, spielt es somit technisch perfektes Schach.

Ist das aber nicht der Fall, so kommen die Hashtables wirkungsvoll ins Spiel.

Die Partie aus dem Jahre 1901 (Chicago Tribune) kann uns das verdeutlichen. Gerade 120 Jahre alt, aber lehrreich.

Gespielt von E. Lasker gegen G. Reichhelm

Folgende Stellung in Kurznotation:

Weiß: Ka1, ba4, bd4, bd5, bf4

Schwarz: Ka7, ba5, bd6, bf5

Weiß am Zug gewinnt.

Hier ist eine Festung beiderseits entstanden. Zugmöglichkeit besteht nur für die beiden Könige auf dem Brett. Die Bauernstruktur ist undurchlässig.

Belle hatte einen Megabyte Speicher dafür reserviert und fand den Schlüsselzug Kb1! innerhalb einer Sekunde.

Die Hashtables erinnern sich an wiederkehrende Stellungen, die abgespeichert werden. Der Suchbaum produziert mit den Königszügen unzählige wiederkehrende Positionen. Ohne Endspielalgorithmen müssten hier teilweise 25 Halbzüge Brute Force gerechnet werden. Als Rechenaufwand zu immens für ein herkömmliches Programm der damaligen Zeit. Das gilt auch für die Ära der Schachcomputer sogar zwei Jahrzehnte danach.

Diese Technik des Programmierens spart Rechenzeit ein. Falls die Baumsuche zweimal auf die gleiche Stellung stößt, greift es auf die gespeicherte Bewertung zurück. Ähnlich dem Prinzip abgelegter Markierungspunkte in einem Labyrinth.

Im vorgelegten Fall haben wir 9 Steine auf dem Schachbrett. Für die Tablebases existiert noch kein Lösungsweg im absoluten Sinn. Pures Wissen dürfte wohl für diesen Fall kaum zu implementieren sein. Höchstens menschliche Intuition führt hier ans Ziel. KI-Software sehe ich als den einzigen Ansatz, davon unabhängig, dieses vorliegende Schach-Problem ohne Zugriff auf Hashtables effektiv zu lösen.

Das Schachprogramm ist also nicht intelligent genug um zum Ergebnis zu kommen. Also, wie gehen die Endspieltabellen hier weiter vor? Sie untersuchen auch Kb2 oder Ka2 und sehen , das der Gewinnweg ausbleibt, füllen allerdings die Tabellen mit Bewertungen. Auch werden gegnerische Fehlzüge geprüft und die Schlüsselstellung untersucht, die den Gewinn von Weiß ermöglicht. Wenn Kb1 durchgerechnet wird, geht es daher nur bis zu jener Schlüsselposition. Der Bauerngewinn muss nicht zwingend errechnet werden.

In den quer-Vernetzungen der Suchbäume entstehen da unglaubliche Dynamiken. Denn von der gespeicherten Markierung kann die vertiefte virtuelle Suche, erzeugt durch die Hashtables, viel tiefer liegend gehen.

Jener Zweig im Suchbaum, in irgendeiner Verästelung kann dann selbst gepunktet und weiter verfolgt werden. Die Potenzierungen addieren sich. Im allgemeinen hängt die Qualität des Zuges von der Bewertung ab, die als Priorität eingestuft wurde. Insofern es keine absolute Lösung gibt, entscheiden diese Kriterien über die Spielstärke des Programms.

In unserem Fall ist das Resultat jedoch eindeutig zu erkennen. So geht es einfach darum, inwieweit uns die Endspieltabellen helfen können, grundsätzlich den Weg zum Gewinn einer Partie zu finden. Ist es aufgrund der Prozessorleistung maximal gegeben, eine Suchtiefe von 9 oder 10 Halbzügen zu erreichen, kann die Software durch den Einsatz der gerade besprochenen Hashtables, 27 oder gar 30 Halbzüge in seinen Spitzen generieren.

Das Chess 232 Board

Ich stelle hier ein E-Schachbrett vor, welches inzwischen nicht nur selten geworden ist, sondern in Zeiten von Windows 95 respektive DOS schon multifunktional war.

Dessen Einsatzmöglichkeiten aber bis heute vermutlich unterschätzt werden. Mir selbst ist dieses Brett im Detail gut bekannt. Daher lohnt eine kurze Vorstellung.

Elektronisches Schachbrett: CHESS 232

Baujahr: 1995

Verbindung: seriell per COM1, 2 an die externe Elektronik Konfiguration: Baudrate 9600, Stopbit 1, no parity

Betriebssysteme: DOS, Windows 3.11, Windows 95, Windows 98

Zugeingabe: Magnetsensoren

Zugausgabe: 64 Feld-LED´s

Programmierer: Chrilly Donninger

Kompatible DOS – Programme:

GENIUS 2 + 3

KALLISTO 1.82 + 1.98 + 2

CHESS SYSTEM TAL (bei Aufruf „/c232“ eingeben)

HIARCS 3.0 + 6.0

MCHESS PRO 3.5 + 4.0 (unter DOS Memmaker ausführen, XMS-Speicher-Anpassung)

WCHESS 1.03 + 1.06 (Modifizierung der Config.sys mit „ NOEMS“)

Erstaunlicherweise ist dieses Board aber zu noch mehr fähig. Sein Einsatzraum erweitert sich auf Betriebssysteme der neueren Zeit. Dank der GUI-Programmoberläche Arena 3.5 ist es auch in der Jetztzeit möglich, diese alte Technik weiterhin sinnvoll zu verwenden.

Arena Chess for Windows: Autoplayer 232 (in der letzten Version 3.5 vorhanden), welcher natürlich konfigurierbar ist.

Folgende Motoren (Schachengines) können eingesetzt werden:

Alle Winboard wie UCI-Schnittstellen-programmierten Engines (Lc0, Stockfish, Komodo, Houdini, Hiarcs, Junior, Wasp, Hannibal + + +). Hunderte mehr, viele davon als Freeware in ständiger Entwicklung.

Emulationen alter Schachcomputer (Mephisto, Novag, Fidelity, Chafitz + + +)

Voraussetzung für das soeben alles Erwähnte ist: eine Verbindung per seriellem „FTDI-Chip – USB-Adapter“ (Hardware-Stick)

Einsetzbar auf folgenden Systemen: Windows XP aufwärts, inklusive Windows 10

Sogar über die DOSBOX 0.74 kann eine Verbindung zu den ein oder anderen dieser alten Programmen virtuell hergestellt werden. Dafür muss allerdings in der Konfigurations-Datei der DOSBOX eine Zeile erstellt werden, damit diese Funktion durchgeschleift wird.

Dieser Befehl lautet: „serial1=directserial realport:com1 defaultbps:9600 parity:n bytesize:8 stopbit:1“

Installation für die oben angeführten, älteren IBM-kompatiblen Rechner:

Ein handelsüblicher PC älteren Baujahrs mit serieller/paralleler Schnittstelle sollte noch vorhanden sein. Unabhängig davon, ob das ein Pentium 1 ist, ein 80486 oder ein 80386. Denn die damalige Hardwarestruktur war perfekt für die alten Betriebssysteme konzipiert..

Um es kurz zu erläutetn: im ersten Schritt die „install.exe“ im Chess232 Verzeichnis aufrufen (Treiberdiskette von Chrilly Donninger) und das Schachprogramm auswählen für die Maus im DOS bereits installiert ist.

Es funktioniert aber auch einwandfrei über die Tastatur und Eingabemaske.

Danach kommt die Abfrage, wo die Datenquelle liegt, hier „a:“ eingeben, denn vom „c:“ – Pfad nimmt er es nicht an. Warum? Meiner Vermutung nach liegt die Ursache eher darin begründet, das Mitte der Neunziger nur eine Installation von Diskette vorgesehen war.

Anschließend den Pfad korrigieren, in dem das Programm auf der Festplatte liegt (z.b. c:\chesspro\genius~3) und den Startbefehl (z.b. cg3dos.exe), der aber nie gleich lautet (weil programmabhängig), in die Maske eintragen.

Zuletzt den COM-Port auswählen, sei es COM1 oder COM2. Die „Y“ Abfrage mit Enter quittieren und die Treiberdatei wird normalerweise erfolgreich installiert.

Tipp: die PC-Programme von der Diskette auf die Festplatte kopieren. Weil es den Aufruf der Software erheblich erleichtert als auch beschleunigt und darüber hinaus die Treiberdateien von Chrilly Donninger aus dem eigenen Programm-Verzeichnis aktiviert werden können.

DOS-PC-Schach – Software Genius 3

DOS-PC-PROGRAMME

Werde einfach in der Folge so einige Programme kurz umreißen. Aus der Computer-Ära von damals.

Den Anfang macht Genius 3 , ein legendäres Programm, das durch die Zeit streifte. Selbst auf dem Android OS ist es als Chess Genius immer noch allgegenwärtig.

Nach der Installation am Rechner besteht die Möglichkeit des Anschlusses an folgende Boards, Module:

CHESS 232 + Elektronik extern

Mephisto-PCBrett

Mephisto-PCModul

2-dimensionales PC-Programm

Programmierer: Richard Lang

Betriebssystem: DOS 6.22/ Windows 95/98/ Dosbox 0.74

fast programmidentisch: Mephisto Genius London 68030

Spielstärke: 2311 ELO * (IBM Pentium 90Mhz)

* diese Angaben besitzen keine feste Allgemeingültigkeit

Diese Programme sind Relikte aus dem letzten Jahrhundert. Je nach Entwicklungsjahr kam die Software zuerst für den PC auf den Markt oder sie basierte stattdessen auf dem EPROM-Code, der zu jener Zeit nicht selten in Assembler geschrieben wurde und somit überwiegend in dedizierten Schachcomputern zum Einsatz kam.

Die Anpassungen an die jeweilige Architektur war vermutlich nur die eine Herausforderung,. Gleichermaßen ging es auch darum, die kleiner dimensionierten Hardwarebausteine wie sie beispielsweise in den Mephisto Schachcomputern verbaut wurden, effektiv so zu nutzen, das dennoch eine maximal gute Spielleistung erreicht werden konnte.

Hier haben wir es ausschließlich mit 16-bit Programmen zu tun. Deshalb brauchen wir wieder eine DOS-Umgebung wo diese lauffähig sind. Die DOSBOX emuliert uns ein komplettes Betriebssystem mit Treibern. Wer also noch die Befehle kennt, wird sich darin schnell zurechtfinden. Einfach die Dosbox aus dem Internet herunterladen, die Installation starten und danach vom Desktop aus als Programm öffnen. Später werde ich darauf noch mehr eingehen. Da tun sich unendlich viele Möglichkeiten auf.

Auf der c: Partition der Festplatte einen Ordner anlegen (Beispiel: Dosprogs). In diesen Ordner die entpackten Schachprogramme ablegen, damit wir später Zugriff darauf haben. Als Vorbau sind diese paar Schritte zu erledigen.

Das erste „c:“ steht für die DOSBOX selbst, sprich als internes Laufwerk. „c:\dosprogs“ ist das Quell-Verzeichnis, das wir ansprechen wollen. Der untenstehende Befehl koppelt das Verzeichnis auf der Festplatte ins interne System der DOSBOX.

Das wird mit dem „mount“-Befehl erreicht. Als Beispiel mit folgender Eingabe: mount c: c:/dosprogs

Als nächsten Schritt wollen wir in das Laufwerk c: wechseln und das Verzeichnis mit den Programmdaten öffnen. Jetzt haben wir den Ordnerinhalt vor uns liegen, nachdem wir auf c: gewechselt sind und mit dem „dir“ Befehl nun den Verzeichnisbaum sehen können.

Dort liegen einige interessante Schachprogramme, die selbst heute noch spielstarke Gegner sind, aber im allgemeinen halt nicht mehr die Popularität von früher besitzen.

Mit dieser Befehlsstruktur sehen wir uns einfach mal das „GENIUS3“ von Richard Lang näher an. Diese Software steckt auch im legendären „Genius London 68030“ Modul von Mephisto drinnen. Dort lief es auf einer 68030 CPU von Motorola mit 33 Mhz.

Auch die Laptops „Berlin 68000, Berlin Professional 68020“ aus der schwarzen Mephisto-Serie sind mit dem London EPROM aufrüstbar. Der Spielstil wird passiver, abwartender. Dennoch minimal stärker.

Die PC-Version wurde für den Intel IBM-Rechner programmiert. Zu dieser Zeit waren um 66 Mhz fast obere Fahnenstange. Vor allem der damals kostenintensive 80486 war zu jener Zeit nur im Besitz sehr Weniger, abgesehen von Firmen oder privaten Freaks, weil das in den Neunzigern noch ein teures Hobby war.

In der Befehlszeile im DOS, wo das umfangreiche Verzeichnis mit den Schachprogrammen liegt, die Anweisung „gen3com.com“ eingeben um im Vorfeld den Treiber für das Programm zu starten.

DOS bestätigt die Aktivierung. Erst danach mit dem Befehl „cg3dos.exe“ das GENIUS3 Programm selbst aufrufen. Im Anschluss gelangt man ins Fenster und kann New Game oder Continue anklicken.

Nicht zuletzt kann per paralleler Schnittstelle (LPT) auch das PC-Modul aktiviert werden. Auf dieses Mephisto-Modul von 1996 komme ich noch ausführlicher zurück. Damit wurde es möglich, aus einem Mephisto Modular, Exclusive oder München-Brett mit jeweils 64 LED´s und Magnetsensoren die Verbindung zu starken Programmen auf dem PC herzustellen.

Ein DOS 6.22 oder Windows 3.11 entsprach bereits den Anforderungen. Sicher, beide ermöglichten nur eine 16-bit Befehlsstruktur. Die Schachsoftware wurde jedoch exakt dafür geschrieben. Erst Windows 95 hatte eine 32-bit-Struktur, konnte aber wie später Windows 98 jederzeit in den DOS-Modus wechseln um die Kompatiblität zu alter Software gewährleisten zu können. Erst nachdem ab Windows 2000 das Betriebssystem auf dem NT-Kernel basierte, trat für die „Alten“ eine Zeitenwende ein.

Als Weiterentwicklung folgte die UCI-Schnittstelle und läutete neben kommerziellen Interessen die Ära der OpenSource Software ein, wodurch Projekte entstanden, die, wie heute bekannt, in Stockfish mündeten und sich vor allem wegen dessen unentwegten Fortschritts großer Beliebtheit erfreuen. Denn als Analysewerkzeug ist es neben einigen anderen Top-Engines extrem stark. Teilweise wird auch mit KI-Implementierungen experimentiert, wodurch es zukünftig um deren Entwickler immer spannend bleiben dürfte.

Mephisto Rechenmodul MM II (1985) – Brute Force Strategie

Ulf Rathsman entwickelte 1985 ein unkonventionelles Modul, vergleichbar mit einem starken Kaffeehaus-Schachspieler. Das Elo-Rating ist recht realistisch und im Endspiel ist das Gerät auch nicht zu unterschätzen, denn auf zehn Halbzüge übersieht er im Prinzip eigentlich nichts deutlich Schwerwiegendes. Beurteile ich seinen Spielstil empfinde ich ihn als eher abenteuerlustig. Wenn man sich anstrengt, gelingen schon Siege und Remisen. Passt man aber nicht auf, ist man schnell durch taktische Kombinationen im Hintertreffen.

Versteht man es zudem seine Angriffe frühzeitig zu blockieren, kann man mit sorgfältigem Positionsspiel recht gut gegenhalten. Wohl deshalb, da seine Spielanlage sehr rechenlastig orientiert ist, wodurch er auch anfälliger für wirklich fundierte Strategien wird.

Ist das Gerät somit für ambitionierte Spieler zu empfehlen?

Das hängt von zwei Aspekten ab, vielleicht auch drei oder sogar mehr. Ja witzig, nur ist es zum einen nicht unerheblich das HG240 Modul zu verwenden, dass eine Turnierbibliothek mit sich bringt und die Eröffnungen besser behandelt. Zum anderen inwieweit einem der Spielstil zusagt, also, wer taktisches Schach liebt, bitte zugreifen. Für Blitzschachspieler auch sehr gut geeignet, die eigenen taktischen Fähigkeiten zu trainieren.

Was hinzu kommt, es existiert auch ein Modul mit 7,4 Mhz Taktung, wodurch es einen Tick stärker spielt und durchaus die 1800 Elo überschreitet. Doch das Grundmodul hat immerhin bereits ca. 1750 Elo und entspricht einem starken Freizeitspieler. Von diesem Programm gibt es sogar eine 100 Mhz Taktung (neue Entwicklung) in Form eines FPGA-Chips als Prozessoremulation. Dadurch wird das Programm taktisch noch schärfer und dürfte meines Erachtens Elo 1900 leicht überschreiten.

Dieses Rechenmodul berücksichtigt weniger die positionellen Aspekte, hier wirkt er gelegentlich löchrig, was ihm selbst gegen einen im Prinzip veralteten M-II (6,1 Mhz) zum Verhängnis werden kann. Verwendet man das Modul ausschließlich zum Taktiktraining, ist es schon wesentlich interessanter. Für das Blitzschach ist dieses Modul genial einsetzbar. Das Rathsman-Programm, das hier in der modularen Serie von Mephisto, zwischendurch eingeschoben wurde, ist vor allem dann wirklich gewöhnungsbedürftig, wenn man die Spielweise des MM I anschaut, der hochselektiv rechnet und weitaus positioneller spielt. Der Stil des MM I war deutlich menschlicher geprägt, der des MM II dafür um einiges stärker.

Dennoch war es gerade dieses zweite Modul (laut SSDF von 1992 immerhin 1773 Elo stark), das Spielern in Vereinen etwas Respekt abnötigte. Offensichtlich war man von der reinen Rechentaktik damals etwas überrascht und es fiel schwerer ein Konzept zu finden, das auf Anhieb erfolgversprechend war. Was mich nicht verwundert, denn ich erinnere mich daran, das selbst der Berlin 68000, der in diesem Fall auf die C1 Blitzschachstufe eingestellt war, gegen den MM II nur ein Remis erreichte. Nicht ohne anzufügen, dass das Modul auf der üblichen Turnierzeit seine Züge errechnen konnte. Und dem MM II kommt der Zuwachs an Bedenkzeit sehr zu Gute.